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2004-01-23

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>Die Homepage als "Home of the Cyborgs"< Gekürzte Fassung meines Vortrags auf der Tagung "Engineering gender. Konfigurationen kybernetischer, virtueller und biopolitischer Existenzen". Genus, Universität Münster 2003 ©juttafranzen

 

 

 

 

 

 

 

[1][2][3]

Home of the Cyborgs: "Cyborgs sind Text, Maschine, Körper und Metapher."
[Donna Haraway]

[1]
1984 prägt William Gibson in seiner science ficition "Neuromancer"[1] den Begriff des "Cyberspace", der fortan die virtuelle Welt der digitalen Daten/Körper bezeichnet:
Er beschreibt den Raum eines kybernetisches Datennetzes, der bildorientiert wahrgenommen und nahezu halluzinatorisch erfahren wird. "Cyber" verweist auf das Organisationsmuster eines kybernetischen Zusammenhangs , der sich dynamisch und selbstregulativ konstituiert. Jenseits essentialistischer oder naturalistischer Zuordnungen werden die als "Cyborgs" durch ihre Position und Funktion in Differenz zueinander definiert und durch selbststeuernde Prozesse der Codierung, Rückkopplung und des kombinatorischen Spiels hergestellt und erhalten. Wahrgenommen werden die digitalen Daten/Körper in einem medialen Szenario der Bilder und Zeichen.


Fast 20 Jahre später können wir in unserem Alltag mit dem Login ins Datennetz des WWW den "Cyberspace" betreten: die "Home/Page" heißt uns willkommen im "Home of the Cyborg" und lädt ein zum "Surfen" durch den "Cyberspace", dessen Datenkomplexität wir durch die (multi)medialen Oberflächen des WWW wahrnehmen. Die "Homepage" bildet nicht einen "Ortungsraum"[2], der ein hierarchisches Ensemble jeweils in sich abgeschlossener statischer Einheiten umgrenzt, sondern eine Position und eine Adresse im Datennetz (URL ="Uniform Resource Locator'"). Von ihr aus eröffnet sich der Zugang zu den <digitalen Körpern> der "Homepage" und des "Cyberspace", die online als Verknüpfungen im WWW aktiviert und so als Daten/Körper abgerufen werden.


WYSIWYG- "What you see is what you get"- dieser (Werbe)-Slogan[3] beschreibt die "Magie" des "Cyberspace". Das Sichtbare im "Cyberspace" - "what you see"- repräsentiert nicht ein schon vorgängig Existentes, sondern führt den nicht-sichtbaren Code aus mit der Wirkung des- "what you get". Das Interface des WWW bietet dem "User", dem Nutzer oder "Besucher" eine Oberfläche von "Windows", in denen er die Daten/Körper multimedial, i.e. als Text, Bild und Sound wahrnehmen kann. Ihre Verbindung zu den organisierenden Strukturen und Codierungen bleiben wie diese selbst dem "User" verborgen. Um eben diesen Zusammenhang und damit die "Magie" des "Cyberspace" zu entmystifizieren, greife ich das Diktum von Donna Haraway auf, dass Schreiben die bedeutendste Technologie der Cyborgs sei.
Es gilt aufzuspüren, wie der "Cyberspace" als "Writing Space" [J. D. Bolter] strukturiert und gestaltet ist.


Als Cover für ihr "Cyborg Manifesto" [4]hat Donna Haraway ein Bild von Lynn Randolp[5] ausgewählt, das die Science-Fiction -Gestalt "Lisa Foo" zeigt, eine Cyberpunk Hackerin.[6]


Lynn Randolph 1989, Linda Foo
Lynn Randolph 1989: Lisa Foo
Cover A Cyborg Manifesto


"Lisa Foo" sitzt am Keyboard ihres Rechners. Ihr Blick ist nach vorne gerichtet, auf den Monitor, der aber nicht im Bild zu sehen ist. Seine Position ist zugleich die des Betrachters, auf den Lisa Foos Blick trifft. Hinter ihr sind vier Zeichen in einem Rahmen angeordnet, der dem "Window" eines Bild(schirms) ähnlich ist. Drei Zeichen symbolisieren den "Cyberspace" als die Milchstraße, i.e. unsere Galaxy sowie die Schwerkraftquelle eines Schwarzen Lochs. "Lisa Foo" trägt auf ihren Schultern einen weiße Katze, deren skelettartige Arme und Pfoten ihre Gestalt umarmen und auf ihre Hände verweisen, die auf dem Keyboard liegen. Auf "Lisa Foos" Brust ist eine Schalttafel mit integriertem Schaltkreis befestigt, der sie mit dem Keyboard verbindet und mit dem Modell der Topologie einer ägyptischen Pyramiden- Landschaft, das gleichsam die Unterlage, den "Schreibtisch" bildet.

Das Bild kann interpretiert werden als die Visualisierung des Kontextes, in dem "Lisa Foo" ihr Schreiben als Hackerin im "Cyberspace" praktiziert:

  • Durch die Gestalt der Katze wird "Lisa Foo" mit meta- physischen, mystischen Energien verbunden. Die weiße Katze ist in Indien und im Alten Ägypten als das Symbol einer Göttin und als Heiliges Tier verehrt worden.[7] In der griechischen Mythologie verwandelt sich Artemis, die Göttin der Jagd und Fruchtbarkeit in eine weiße Katze. Die bildhafte "Umarmung" von "Lisa Foo" durch die weiße Katze stellt "Lisa Foo" in diesen Zusammenhang einer mystisch-magischen Produktivität, die zugleich enthüllt wird durch den Blick auf das Skelett der Katzenarme und die Verbindung zum Keyboard: die "Magie" des "Cyberspace" und seiner "Cyborgs" kann als die Wirkung der digitalen Medienapparatur entmystifiziert werden. "Nicht nur Gott ist tot, auch die Göttin". [8]
  • Das Keyboard markiert die Schnittstelle der physischen und der virtuellen Welt: im Bild in einer braunen vom Sonnenlicht durchfluteten Erdlandschaft positioniert, verbinden die auf ihm ruhenden Hände der "Lisa Foo" mit der in blaues Kunstlicht getauchten Welt des "Cyberspace". Die Hände in Schreibhaltung auf der Apparatur, von der aus das "Login" in den medialen Raum erfolgt, verweisen auf die Technologie des Schreibens als die Her- Stellungspraktik und Inszenierungsstrategie für die Cyborg- Gestalt.

Schreiben eröffnet den "Cyberspace" als "Room of one's own", (Virginia Woolfe ) den nun nicht das private Heim, sondern die vernetzte "Homepage" als "Home of the Cyborg" bildet.
Von hier aus konstituiert sich der "Cyborg" als produktiver Effekt der Schreibpraktiken, die performativ, i.e. ausführend vollzogen werden. Das Schreiben leistet die Codierung und die Gestaltung der Benutzeroberfläche als manifestes Design von Text und Bild.

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