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Home of the Cyborgs: "Cyborgs sind Text, Maschine,
Körper und Metapher."
[Donna Haraway]
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1984 prägt William Gibson in seiner science ficition "Neuromancer"[1]
den Begriff des "Cyberspace", der fortan die virtuelle Welt der
digitalen Daten/Körper bezeichnet:
Er beschreibt den Raum eines kybernetisches Datennetzes, der bildorientiert
wahrgenommen und nahezu halluzinatorisch erfahren wird. "Cyber"
verweist auf das Organisationsmuster eines kybernetischen Zusammenhangs
, der sich dynamisch und selbstregulativ konstituiert. Jenseits
essentialistischer oder naturalistischer Zuordnungen werden die
als "Cyborgs" durch ihre Position und
Funktion in Differenz zueinander definiert und durch selbststeuernde
Prozesse der Codierung, Rückkopplung und des kombinatorischen
Spiels hergestellt und erhalten. Wahrgenommen werden die digitalen
Daten/Körper in einem medialen Szenario der Bilder und Zeichen.
Fast 20 Jahre später können wir in unserem Alltag mit
dem Login ins Datennetz des WWW den "Cyberspace" betreten:
die "Home/Page" heißt uns willkommen im "Home
of the Cyborg" und lädt ein zum "Surfen" durch
den "Cyberspace", dessen Datenkomplexität wir durch
die (multi)medialen Oberflächen des WWW wahrnehmen. Die "Homepage"
bildet nicht einen "Ortungsraum"[2],
der ein hierarchisches Ensemble jeweils in sich abgeschlossener
statischer Einheiten umgrenzt, sondern eine Position und eine
Adresse im Datennetz (URL ="Uniform Resource Locator'").
Von ihr aus eröffnet sich der Zugang zu den <digitalen
Körpern> der "Homepage" und des "Cyberspace",
die online als Verknüpfungen im WWW aktiviert und so als
Daten/Körper abgerufen werden.
WYSIWYG- "What you see is what you get"- dieser (Werbe)-Slogan[3]
beschreibt die "Magie" des "Cyberspace".
Das Sichtbare im "Cyberspace" - "what you see"-
repräsentiert nicht ein schon vorgängig Existentes,
sondern führt den nicht-sichtbaren Code aus mit der Wirkung
des- "what you get". Das Interface des WWW bietet dem
"User", dem Nutzer oder "Besucher" eine Oberfläche
von "Windows", in denen er die Daten/Körper multimedial,
i.e. als Text, Bild und Sound wahrnehmen kann. Ihre Verbindung
zu den organisierenden Strukturen und Codierungen bleiben wie
diese selbst dem "User" verborgen. Um eben diesen Zusammenhang
und damit die "Magie" des "Cyberspace" zu
entmystifizieren, greife ich das Diktum von Donna Haraway auf,
dass Schreiben die bedeutendste Technologie der Cyborgs sei.
Es gilt aufzuspüren, wie der "Cyberspace" als "Writing
Space" [J. D. Bolter] strukturiert und gestaltet ist.
Als Cover für ihr "Cyborg Manifesto" [4]hat
Donna Haraway ein Bild von Lynn Randolp[5]
ausgewählt, das die Science-Fiction -Gestalt "Lisa Foo"
zeigt, eine Cyberpunk Hackerin.[6]
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Lynn Randolph 1989: Lisa Foo
Cover A Cyborg Manifesto
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"Lisa Foo" sitzt am Keyboard ihres Rechners. Ihr Blick
ist nach vorne gerichtet, auf den Monitor, der aber nicht im Bild
zu sehen ist. Seine Position ist zugleich die des Betrachters,
auf den Lisa Foos Blick trifft. Hinter ihr sind vier Zeichen in
einem Rahmen angeordnet, der dem "Window" eines Bild(schirms)
ähnlich ist. Drei Zeichen symbolisieren den "Cyberspace"
als die Milchstraße, i.e. unsere Galaxy sowie die Schwerkraftquelle
eines Schwarzen Lochs. "Lisa Foo" trägt auf ihren
Schultern einen weiße Katze, deren skelettartige Arme und
Pfoten ihre Gestalt umarmen und auf ihre Hände verweisen,
die auf dem Keyboard liegen. Auf "Lisa Foos" Brust ist
eine Schalttafel mit integriertem Schaltkreis befestigt, der sie
mit dem Keyboard verbindet und mit dem Modell der Topologie einer
ägyptischen Pyramiden- Landschaft, das gleichsam die Unterlage,
den "Schreibtisch" bildet.
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Das Bild kann interpretiert werden als die Visualisierung
des Kontextes, in dem "Lisa Foo" ihr Schreiben als Hackerin
im "Cyberspace" praktiziert:
- Durch die Gestalt der Katze wird "Lisa Foo" mit
meta- physischen, mystischen Energien verbunden. Die weiße
Katze ist in Indien und im Alten Ägypten als das Symbol
einer Göttin und als Heiliges Tier verehrt worden.[7]
In der griechischen Mythologie verwandelt sich Artemis, die
Göttin der Jagd und Fruchtbarkeit in eine weiße Katze.
Die bildhafte "Umarmung" von "Lisa Foo"
durch die weiße Katze stellt "Lisa Foo" in diesen
Zusammenhang einer mystisch-magischen Produktivität, die
zugleich enthüllt wird durch den Blick auf das Skelett
der Katzenarme und die Verbindung zum Keyboard: die "Magie"
des "Cyberspace" und seiner "Cyborgs" kann
als die Wirkung der digitalen Medienapparatur entmystifiziert
werden. "Nicht nur Gott ist tot, auch die Göttin".
[8]
- Das Keyboard markiert die Schnittstelle der physischen und
der virtuellen Welt: im Bild in einer braunen vom Sonnenlicht
durchfluteten Erdlandschaft positioniert, verbinden die auf
ihm ruhenden Hände der "Lisa Foo" mit der in
blaues Kunstlicht getauchten Welt des "Cyberspace".
Die Hände in Schreibhaltung auf der Apparatur, von der
aus das "Login" in den medialen Raum erfolgt, verweisen
auf die Technologie des Schreibens als die Her- Stellungspraktik
und Inszenierungsstrategie für die Cyborg- Gestalt.
Schreiben eröffnet den "Cyberspace"
als "Room of one's own", (Virginia Woolfe ) den nun
nicht das private Heim, sondern die vernetzte "Homepage"
als "Home of the Cyborg" bildet.
Von hier aus konstituiert sich der "Cyborg" als produktiver
Effekt der Schreibpraktiken, die performativ, i.e. ausführend
vollzogen werden. Das Schreiben leistet die Codierung und die
Gestaltung der Benutzeroberfläche als manifestes Design von
Text und Bild.
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