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2004-12-13 |
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wiederholung .talk (Thesenfassung) Interdisziplinäres Kolloquium "Wiederholung", Berlin |
[muster der wiederholung
Wiederholung steht bei Sophie Calle für eine Praktik, nicht die Werke eines anderen anzueignen, sondern die eigenen Arbeiten wieder zu holen und in ein Raster der Differenzen zu stellen, das Innen und Außen, Gegenwärtiges und Abwesendens in ein Spiel der Unterschiede und Verschränkungen verwickelt. |
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Veranstalter: Studienstiftung des Deutschen Volkes [10.+11.12.2004] |
Wiederholung steht bei Sophie Calle für eine Praktik, nicht die Werke eines anderen anzueignen, sondern die eigenen Arbeiten wieder zu holen und in ein Raster der Differenzen zu stellen, das Innen und Außen, Gegenwärtiges und Abwesendens in ein Spiel der Unterschiede und Verschränkungen verwickelt. |
Zur Praktik der Aneignung cf. exemplarisch: |
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Eine erste Form ist die Wiederholung von Abläufen
zu einer anderen Zeit: Ihr Projekt "Die Beschattung" [1981]
führt Sophie Calle "Zwanzig Jahre später" [2001] nochmals
durch. Die Wiederholung wird von Sophie Calle als eine persönliche
Erinnerung erlebt, die die beiden zeitversetzten Ereignisse für sie
verbindet und zugleich ihre Unterschiede zeigt. Das Vergangene, das die
Wiederholung wieder holt, wird im Gegenwärtigen nicht als ein Identisches
reproduziert und erlebt, sondern nur als ein Gleiches erinnert. Es bleibt
ein Unterschied, der auf ein Abwesendes verweist, das für immer vergangen
ist und das auch in der Wiederholung vergangen, verloren bleibt. |
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"Die Schläfer" [1979] und "Die Reise
nach Kalifornien" [2000-2003] sind ebenfalls durch die Wiederholung
der Handlungen und des Ortes aufeinander bezogene Projekte. |
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Einen zentralen Platz in der Ausstellung und auch hier
unter dem Aspekt der Wiederholung nimmt das eigens für die Ausstellung
fertig gestellte Projekt "Stechender Schmerz" [1984-2003] ein. "Vor dem Schmerz" ist es das Begehren nach
dem abwesenden Geliebten, das sie regelmäßig und wiederholt
täglich in Fotos, Briefen und anderen Schriftstücken dokumentiert
und durch das Zählen der Tage bis zum Wiedersehen zugleich lustvoll
steigert und objektiviert. |
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Auch dieses Projekt Sophie Calles wird durch verschiedene
Muster der Wiederholung getragen. Da ist zum einen das Zeitraster einer bestimmten Anzahl
von Tagen, das auf die Stelle der "douleur exquise" hinführt
und gleichsam spiegelbildlich wiederholt von ihr fortführt. In das
Zeitraster ist jeweils eine Handlung eingebunden, die wie ein Ritual nach
bestimmten Regeln und in festgelegten Formen wiederholt wird. Wiederholung
in dieser Form stellt eine Distanz zum Blick nach innen auf das eigene
Empfinden, Begehren und Leiden her, indem sie Fixpunkte wieder holt, die
den Blick nach außen richten. Eine weitere Form der Wiederholung ist die Anordnung
von Bild und Text, Bild und Sprache. Das Kapitel "Vor dem Schmerz"
ist noch stärker durch die Bilder und ihre weniger strenge Ausrichtung
bestimmt. Das Bild des Hotelzimmers, in dem SC den Schmerz lokalisiert,
wird im Kapitel "Nach dem Schmerz" wiederholt zu ihren täglichen
Texten gestellt. Trotz seiner beständigen Präsenz gegenüber
den immer kürzer werdenden Texten, erzielt die Wiederholung des Bildes
auch hier eine zunehmende Gleichgültigkeit. Die Wiederholung wirkt wie das Symbolische der Sprache,
das in den Erzählungen und Texten vermittelt wird, als die trennende
Instanz gegenüber den selbstreflexiven Verstrickungen des Imaginären,
das die Bilder transportieren. Die Wiederholung gibt den Bild- Narrationen
Sophie Calles die Kraft, über den persönlichen Ausgangspunkt
der (fiktiven) Erinnerung hinaus auf eine überindividuelle Ebene
zu verweisen. Subjektives Erleben und Allgemeine Strukturen treten in
der Wiederholung in ein Spannungsfeld der kontrollierten subjektiven Abgabe
von Kontrolle an einen gleichsam mechanischen, seriellen Ablauf. Die Geschichte der "Douleur exquise", die so intim mit der Person Sophie Calles verbunden schien, lässt offen, "M'as-tu-vue": der Betrachter ist Sophie Calle begegnet, aber hat er sie gesehen oder eine Geschichte von Schmerz, Begehren, Abwesenheit und Verlust? Die Autorin Sophie Calle legt die Regeln ihrer Erzählungen, die Muster der Wiederholungen fest. Doch dann verschwindet sie und überlässt ihre Person den Ritualen und Abläufen, in denen "Sophie Calle" zur Signatur für eine Spurensuche nach dem Selbst wird, das sich nur über die Differenz erschließen lässt, die Wiederholung und Sprache setzen. ©juttafranzen 2004-12 |
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