|
Die "Box" war das Format, das die Videokunst in
ihren Anfängen vor über 30 Jahren bestimmte. Technisch auf den Monitor
als Projektionsfläche angewiesen, bewegte sich das Videobild in
einem Raum mit standardisierten Vorgaben. Der "Black Cube" (so der
Name des in Ausstellungen beliebten Sony Monitors) bildete die "Box",
die in ihrer neutralen und puristischen Struktur dem "White Cube"
ähnlich war, dem Konzept des realen Ausstellungsraums in der Moderne
|
.rudolf
frielingkontext
video kunst
.white
cube||black box
.generali foundation 1996
.brian o'doherty .inside
the white cube 1999
|
|
Eine Künstlerin, die sich in ihren Arbeiten auch
immer mit den formalen Besonderheiten des Videos auseinandergesetzt
hat, ist Joan Jonas. In den 70er Jahren ist sie bereits für ihre
Performances anerkannt, als sie beginnt, die "Box" des Videos als
Raum für ihre Inszenierungen von Körper und (weiblicher) Identität
zu erschließen. Mit dem "Hineinklettern" in die "Box" erforscht
Jonas gleichermaßen die Struktur des neuen Mediums sowie ihre eigene
Position zu ihm.
|
Zwei in diesem Zusammenhang wichtige Arbeiten
von ihr sind in Berlin zu sehen: "Organic Honey's Visual Telepathy/Organic
Honey's Vertical Roll" (1972) in der NGBK
( bis 06.05.01) und als Neuerwerbung des NBK
" Left Side Right Side" (1972).
|
| |
|
|
In "Vertical Roll" (1972) experimentiert Jonas
mit dem Einstellungsfehler, der das Bild weiter "rollen" lässt.
Das Videobild wird zugleich in seinen Begrenzungen als "Box" und
in seiner zeitlichen Dimension eines linearen Ablaufs sichtbar.
Diese Struktur des Mediums bezieht Jonas auf die Erfahrung des eigenen
Körperbildes. Die Fragmentierung des Videobildes durch das Format
der "Box" entspricht der Wahrnehmung des eigenen Körpers als "zerstückelt".
Erst durch die Vorstellung verschiedener weiblicher Gestalten wird
die eigene Identität erfahrbar. Die Bildabfolge des Videos visualisiert
diesen Prozess. Jonas verwendet sie als beständig wechselnde Bühne
für die Inszenierung von Mustern weiblicher Identität. Am Ende ist
das Gesicht als Ganzes zu sehen.
|

|
|
Jonas hat die Videoarbeit mit ihrer Performance
"Organic Honey's Visual Telepathy" (1972) verbunden, in der sie
ebenfalls zwei Stereotypen weiblicher Identität entwickelt: die
"working woman" und die Verführerin. Die Ausstellung in der NBGK
zeigt die Requisiten und Videoaufzeichnungen der Performance.
|
|
Mit dem Spiegel als Medium der Identitätsfindung
hat sich Jonas in "Left Side Right Side" (1972) befasst. In Verbindung
mit dem Bild in der "Box" des Videos entsteht ein Verwirrspiel der
eigenen Körpervorstellungen. Das Videobild kehrt die Spiegelung
um und zeigt ein vom Augen-Blick unabhängiges Selbstbild: einen
"Replikanten", der als Bild gespeichert und mit der Technik des
"forward", "rewind" and "still" in der Zeitdimension bewegt und
immer wieder abgerufen werden kann. Diese Arbeit zählt zu den Neuerwerbungen
des NBK, Berlin und kann dort gesichtet werden. Am 25.04. wird die
Neuauflage des Katalogs vorgestellt.
|
.joan
jonas .profile
.joan
jonas, werkschau
NGBK,
oranienstr. 25 10999 berlin bis 06.05.01
.videoarchiv des NBK,
chausseestr.128
10115 berlin
|