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:: die fröhliche chirurgie- oder wie der wahre körper endlich zur ware wurde

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PostModerne De/Konstruktionen
Graduiertenkonferenz Erlangen
2002-11-24

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In prähistorischer Zeit bahnt der Schamane mit dem Schnitt in den Körper einen Ausweg für die bösen Geister, von denen er den Körper befreien will.[1] Die Muster von Körper, Sex und Gender sind in mythologisch/religiös geprägte Vorstellungen eines "wahren" Körpers eingebunden. De/Konstruktion ist normativ/ethisch eingegrenzt: die einem Schöpfergott bzw. den Gottheiten und/oder der Natur zugeordneten de/konstruktiven Effekte bilden die vorgefundenen Parameter, die nicht überschritten werden. Der "wahre" Körper ist der von Gott/Natur geschaffene Körper, dessen Muster nur zur Lobpreisung seines Schöpfers kontemplativ de/konstruiert wird.
Bis in die Neuzeit werden sich Vorstellungen und gesellschaftliche Praktiken, die das Muster von Körper, Sex und Gender de/konstruieren, an der Frage orientieren: Was darf und soll ich tun, um meiner göttlichen/ natürlichen Bestimmung zu genügen?

 


Die entscheidende Wende tritt Ende des 18.Jh. mit der Vorstellung ein, dass der Körper eine durch Reiz/Reaktion vom Menschen kontrollierbare "Organmaschine" sei. "[2] Die Grenzen von Mythologie und Religion werden überschritten, indem Vorstellungen der biologischen Funktionen und Erklärung sowie der Unterwerfung und Nutzbarmachung[3] die Muster von Körper, Sex, Gender. de/konstruieren. Die leitende Frage lautet nun, wie funktioniert der Körper als biologischer Zusammenhang und wie kann ich ihn für gesellschaftliche Zwecke einsetzen/optimieren? Der "wahre" Körper ist der "gesunde" Körper, der in den gesellschaftlichen Produktions- und Herrschaftsverhältnissen funktionale Leistungen erbringt.

Seit Mitte des 19.Jahrhunderts etabliert sich die Plastische Chirurgie als besondere Disziplin.[4] Der Maßstab für die Vorstellungen, nach denen der chirurgische Schnitt die Körpermuster auch physisch de/konstruiert, sind die Regeln sozialer Akzeptanz und Funktionstüchtigkeit. Die Grenzen der Natur werden mit Hilfe der Kenntnisse ihres Funktionierens überschritten, um den "wahren" i.e. gesellschaftlich "gesunden" Körper zu de/konstruieren, der aber als natürlich wirken soll. Die Vorstellungen und Praktiken der De/Konstruktion bleiben in der Darstellung des Resultats als eines scheinbar naturgeformten Körpers verborgen. Der "wahre", Körper ist doppelt gesellschaftlich codiert: nach Maßgabe seines "gesunden" Leistungsvermögens und der Ideologie des Natürlichen, die sich über die Vorstellungen und Praktiken seiner De/Konstruktion stülpt und sie verhüllt.

 
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