Barbie Body
Barbie Legs

 




















































 
 

[1] [2] [3]

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

:: die fröhliche chirurgie- oder wie der wahre körper endlich zur ware wurde

talk

PostModerne De/Konstruktionen
Graduiertenkonferenz Erlangen
2002-11-24

[2]
"Inscene yourself"- dieser Slogan eines Modeherstellers[5] Ende des 20. Jahrhunderts gilt nicht mehr nur für die Kleiderhülle des Körpers, sondern für ihn selbst. Die Entwicklung der Technologie ermöglicht Vorstellungen, die bislang indisponible Körpermuster "entbergen":
Techne [6] als Kunst und Technik de/konstruiert ein Formatierungspotential des Körpers, das ihn aus den als "wahr" codierten Bestimmungen gesellschaftlicher Zwecke und natürlicher Gesundheit herauslöst.
Der Ausschlussmechanismus selbst, der von der Vorstellung eines "wahren" Körpers aus das Andere denunziert, wird in seiner bipolaren Struktur de/konstruiert . Durch die Techne wird der Körper auf ein Drittes bezogen, das nicht im "Gestänge und Geschiebe und Gerüste"[7] des Technisch/Instrumentalen und der zweckrationalen Optimierung aufgeht. "[8] Es geht um die Herausforderung, in den Mustern von Körper, Sex und Gender das Andere, ein zuvor Nicht-Disponibles als Potential zu de/konstruieren und es als Vorstellung verfügbar zu machen, als Bild zu "erobern", wie es Heidegger formuliert hat. "Man sieht also Körper, weibliche, männliche Körper, kombinierbar ohne Ende, und was im Bild kombinierbar ist, kann natürlich auch in der Wirklichkeit kombinierbar sein."[9] Die medial vermittelten Vorstellungen dessen, was machbar ist, de/konstruieren ein Muster von Körper, Sex und Gender, für das es nicht mehr den einen "wahren" Körper gibt. Statt durch essentielle, natürlich oder gesellschaftlich begründete "wahre" Parameter und Grenzen organisiert sich der Körper über vielfältige, hybride und temporäre "Differenzfelder".[10]
Die leitende Frage lautet: "Wie will ich aussehen?"

 

Mit dem Ende der als Natur /Schöpfung(v)erklärten und gesellschaftlich sanktionierten Vorstellungen, die Körper, Sex und Gender "wahre", festumrissene Identitäten zugeordnet haben, ist eine Vielfalt möglicher und machbarer "Schnitt/Muster" eines anderen Körpers eröffnet. De/Konstruktion wird zum kombinatorischen Spiel mit androgynen, multiplen und polymorphen Mustern von Körpern, die "Inter/Faces" bezeichnen: temporäre "Zwischen/Gesichter", die stets erneut de/konstruiert werden können und hybride Schnittstellen, die sich als mediale Oberflächen präsentieren. "What you see is what you get"- der Körper kann, wie er vorgestellt wird, hergestellt werden. Ist die Vorstellung eines "wahren" Körpers de/konstruiert, so muss auch der physische Körper nicht mehr als der "wahre" hingenommen werden. Das Muster "Natur" ist nurmehr eine von vielen Optionen und hat auch als Ideologie ausgedient: die Praktiken und Effekte der plastischen Chirurgie werden nicht mehr unter dem Schein des Gesunden und Natürlichen verhüllt, sondern in öffentlichen Szenarien enthüllt.

In den 90er Jahren hat die französische Multimediakünstlerin Orlan[11] mit ihrem Projekt "L'Art Charnal" ("Fleischliche Kunst) die De/Konstruktion des Körpers in chirurgischen Performances als ein Spektakel aus Anatomischen Theater und Theater der Grausamkeit inszeniert. Orlan de/konstruiert das "ready made" des eigenen Körpers nach Vorstellungen, die die natürlichen wie die gesellschaftlichen Grenzen aufbrechen und überschreiten. Die Praktik der De/Konstruktion als eine Abfolge temporärer Inter/Faces wird in "L'Art Charnal" zum radikalern und blutigen Diskurs, der öffentlich und prinzipiell ohne Ende geführt wird.

 
[1] [2] [3]

salon 2002-11-15  ©juttafranzen, berlin

 ©juttafranzen .all rights reserved by the authors/photographers .impressum
digitaldiva.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.