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PostModerne De/Konstruktionen
Graduiertenkonferenz Erlangen
2002-11-24
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"Inscene yourself"- dieser Slogan eines Modeherstellers[5]
Ende des 20. Jahrhunderts gilt nicht mehr nur für die Kleiderhülle
des Körpers, sondern für ihn selbst. Die Entwicklung der
Technologie ermöglicht Vorstellungen, die bislang indisponible
Körpermuster "entbergen":
Techne [6]
als Kunst und Technik de/konstruiert ein Formatierungspotential
des Körpers, das ihn aus den als "wahr" codierten
Bestimmungen gesellschaftlicher Zwecke und natürlicher Gesundheit
herauslöst.
Der Ausschlussmechanismus selbst, der von der Vorstellung eines
"wahren" Körpers aus das Andere denunziert, wird
in seiner bipolaren Struktur de/konstruiert . Durch die Techne wird
der Körper auf ein Drittes bezogen, das nicht im "Gestänge
und Geschiebe und Gerüste"[7]
des Technisch/Instrumentalen und der zweckrationalen Optimierung
aufgeht. "[8]
Es geht um die Herausforderung, in den Mustern von Körper,
Sex und Gender das Andere, ein zuvor Nicht-Disponibles als Potential
zu de/konstruieren und es als Vorstellung verfügbar zu machen,
als Bild zu "erobern", wie es Heidegger formuliert hat.
"Man sieht also Körper, weibliche, männliche Körper,
kombinierbar ohne Ende, und was im Bild kombinierbar ist, kann natürlich
auch in der Wirklichkeit kombinierbar sein."[9]
Die medial vermittelten Vorstellungen dessen, was machbar ist, de/konstruieren
ein Muster von Körper, Sex und Gender, für das es nicht
mehr den einen "wahren" Körper gibt. Statt durch
essentielle, natürlich oder gesellschaftlich begründete
"wahre" Parameter und Grenzen organisiert sich der Körper
über vielfältige, hybride und temporäre "Differenzfelder".[10]
Die leitende Frage lautet: "Wie will ich aussehen?"
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Mit dem Ende der als Natur /Schöpfung(v)erklärten
und gesellschaftlich sanktionierten Vorstellungen, die Körper,
Sex und Gender "wahre", festumrissene Identitäten
zugeordnet haben, ist eine Vielfalt möglicher und machbarer
"Schnitt/Muster" eines anderen Körpers eröffnet.
De/Konstruktion wird zum kombinatorischen Spiel mit androgynen,
multiplen und polymorphen Mustern von Körpern, die "Inter/Faces"
bezeichnen: temporäre "Zwischen/Gesichter", die stets
erneut de/konstruiert werden können und hybride Schnittstellen,
die sich als mediale Oberflächen präsentieren. "What
you see is what you get"- der Körper kann, wie er vorgestellt
wird, hergestellt werden. Ist die Vorstellung eines "wahren"
Körpers de/konstruiert, so muss auch der physische Körper
nicht mehr als der "wahre" hingenommen werden. Das Muster
"Natur" ist nurmehr eine von vielen Optionen und hat auch
als Ideologie ausgedient: die Praktiken und Effekte der plastischen
Chirurgie werden nicht mehr unter dem Schein des Gesunden und Natürlichen
verhüllt, sondern in öffentlichen Szenarien enthüllt.
In den 90er Jahren hat die französische Multimediakünstlerin
Orlan[11]
mit ihrem Projekt
"L'Art Charnal" ("Fleischliche Kunst) die De/Konstruktion
des Körpers in chirurgischen Performances als ein Spektakel
aus Anatomischen Theater und Theater der Grausamkeit inszeniert.
Orlan de/konstruiert das "ready made" des eigenen Körpers
nach Vorstellungen, die die natürlichen wie die gesellschaftlichen
Grenzen aufbrechen und überschreiten. Die Praktik der De/Konstruktion
als eine Abfolge temporärer Inter/Faces wird in "L'Art
Charnal" zum radikalern und blutigen Diskurs, der öffentlich
und prinzipiell ohne Ende geführt wird.
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