Barbie walking
Barbie body
Barbie legs
Barbie heads

 
















































































































   
 

[1] [2] [3]      

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

:: die fröhliche chirurgie- oder wie der wahre körper endlich zur ware wurde

talk

PostModerne De/Konstruktionen
Graduiertenkonferenz Erlangen
2002-11-24

[3]
Fast zeitgleich in den 90er Jahren hat die Amerikanerin Cindy Jackson begonnen, ihren Körper einer Serie von chirurgischen Eingriffen zu unterziehen. Inzwischen hält sie mit 38 plastischen Operationen den "Weltrekord"[12] und kann als prototypisch für die Entwicklung einer "Fröhlichen Chirurgie" betrachtet werden: Wie die "Fröhliche Wissenschaft" orientiert sich die "Fröhliche Chirurgie" an einer Lebens/Kunst, die "tapfer [ist] bei der Oberfläche, der Falte, der Haut stehen zu bleiben, den Schein anzubeten."(Friedrich Nietzsche)

Cindy Jacksons Körper erscheint als die Inkarnation der von ihr favorisierten Vorstellung der Plastik- Barbie als Organisationsmuster von Körper, Sex und Gender: Ihr Körper ist Plastik im Doppelsinn von Form und Material. "Auf der einen Seiten der tellurische Rohstoff, auf der anderen Seite der perfekte Gegenstand. Zwischen diesen beiden Extremen nichts; nichts als ein zurückgelegter Weg, der von einem Angestellten mit Schirmmütze, halb Gott, halb Roboter, überwacht wird."[13]
Bereits als Kind litt Cindy unter der vermeintlich schöneren und beliebteren Schwester.[14] So verbindet sie mit einer Barbie-Puppe, die sie als Geschenk erhielt, die Vorstellung von einem schöneren Körper und besseren Leben: das Muster von Körper, Sex, Gender wird bezogen auf sozialen Status und Anerkennung, den Konkurrenzparametern auf einem Markt der gesellschaftlichen Beziehungen.

 


Was als die De/Konstruktion des "wahren" Körpers begann, endet in der "Fröhlichen Chirurgie" als die Produktion eines Waren- Körpers. Die vielfältigen, hybriden und temporären Differenzfelder, die de/konstruktiv eröffnet wurden, werden auf eine Oberfläche der Erscheinungen reduziert, die wiederum durch die Vorstellung eines "wahren" Körpers organisiert ist: nämlich des Körpers als Ware.

Der Körper wird als "Vorher"/"Nachher" Ereignis inszeniert, in dem der chirurgische Schnitt als de/konstruktive Praktik "verschwindet" und nur unter dem Aspekt des erfolgreichen und perfekten Resultats betrachtet wird. Der Maßstab "erfolgreich" ist an Marktregeln orientiert, die die gesellschaftlichen Beziehungen im Privaten wie im Berufsleben bestimmen. "Schönheit siegt immer," verheißt der Schönheitschirurg Dimitrij Panfilov.[15]
"Wie muss ich aussehen wollen, um erfolgreich zu sein ?" wird zur leitenden Frage.
Dem perfekt de/konstruierten Körper werden wie einem Fetisch besondere Effekte zugeschrieben. Der chirurgische Schnitt soll den Körper zwar nicht wie in prähistorischer Zeit von bösen Geistern befreien, aber vom negativ sanktionierten Körper "Vorher", so dass durch den Körper "Nachher" Wohlstand, Glück und Erfolg als gleichsam "gute Geister" herbeigerufen werden.[16] Cindy Jackson spricht von ihrem Körper "Vorher" wie von einer fremden, verstorbenen Person." I don't even associate myself with that person. She's dead. I cut her up."[17] Und "Nachher"- endllich-: "I started getting successful professional men after me, men with money."[18]

Durch das "Verschwinden" der de/konstruktiven Prozesse im Resultat verdinglichen die nach den Vorstellungen der "Fröhlichen Chirurgie" de/konstruierten Muster des Körpers zur "zweiten Natur". Sie erscheinen als Dinge, die als Waren käuflich sind. "What you see is what yout get" bezeichnet in der "Fröhlichen Chirurgie" nicht mehr die Schnittstelle von Vor- und Herstellung einer Vielfalt an Mustern von Körper, Sex und Gender, sondern die Schnittstelle von Angebot und Nachfrage einer marktorientierten Produktpalette an Körpermustern. Der "wahre Körper" ist der Körper als "Ware" und vice versa: die "wahren" Körper stehen zu Waren- Körpern verdinglicht zur Auswahl und zum Kauf bereit; umgekehrt umfasst das Angebot an Waren- Körpern nur die "wahren" Körper, i.e. solche, die den gesellschaftlich positiv codierten Erfolgsmustern entsprechen.

Wie vormals die "erste", so funktioniert nun erneut die "zweite Natur" der wa(h)ren Körper als ein Ausschlussmechanismus. De/Konstruktion verschiebt sich in der "Fröhlichen Chirurgie" von der Techne des "Ent-bergens" zur Technik des "Ver-bergens" eines Anderen. Instrumentell ausgerichtet zielt sie als Technik darauf ab, den Körper nach den wa(h)ren Vorstellungen für den Arbeits- und Beziehungsmarkt zum perfekten Produkt zu optimieren und Muster eines Anderen als (Stör)Potential zu verbergen. Die Vielfalt, die in den Differenzfeldern de/konstruktiv eröffnet war, wird zur Ideologie ihrer selbst: "What you see is what you get" -weil das, was vorstellbar ist, auch herstellbar ist-, verschleiert als die Verlockung des Marktsortiments, auf das die Vielfalt reduziert ist, genau diese Konditionierung durch den Konkurrenzdiskurs, für den nurmehr vorstellbar ist, was auch (ver)kaufbar ist. Von hier aus wird mit Ausschluss sanktioniert, was den Vorstellungen der "Fröhlichen Chirurgie" nicht folgt, nicht folgen kann oder nicht folgen will.[19]

Das "Happy End" der "Fröhlichen Chirurgie", die mit dem Erwerb des "wa(h)ren" Körpers ein erfolgreiches glückliches Leben" verspricht, erweist sich als trügerisch: Gerade wenn und solange diese gesellschaftliche Praktik der Fetischisierung des "wa(h)ren Körpers" funktioniert, muss er immer wieder erneut erworben werden. Aus dem kombinatorischen Spiel der De/Konstruktion des "wahren" Körpers wird in der "Fröhlichen Chirurgie" der Plan zum Kauf des Körpers als Ware: "Mit Ende 20 das erste Peeling, dann etwas Botox und Lasern. Mit 50 das erste Facelift, das zweite mit 65."[20]

 
[1[2] [3]

salon 2002-11-15 ©juttafranzen, berlin

 ©juttafranzen .all rights reserved by the authors/photographers .impressum
digitaldiva.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.